2
Bergschloss
Wo Berlin badete, tanzte, kegelte – und auch segelte
Wo Berlin badete, tanzte, kegelte – und auch segelte
heading
heading
heading
heading
Ausflugsrestaurant im Ritterburg-Stil
heading
text
Auf einer kleinen Anhöhe zwischen heutiger Jean-Jaurès-Straße und Nimrodstraße stand einst ein Gebäude, das so aussah, als hätte jemand eine Ritterburg nach Berlin verpflanzt: das „Kurhaus Bergschloss“. Mit Turm, Zinnen, dicken Mauern – aus gelbem Ziegelstein.
Gebaut wurde das Ganze ab 1886 vom Bauunternehmer Gustav Joachim. Der hatte einen Riecher für Trends: Berlin wuchs, die Städter wollten raus ins Grüne. Also ließ er ein Ausflugsrestaurant der Superlative bauen – mit Konzertsaal, Fontänen, Grotten, Lauben, Kegelbahnen und sogar elektrischer (!) Beleuchtung.
text
text
text
text
funfact
funfact
funfact
funfact
funfact
text
Das „Bergschloss“ wurde schnell zum Hotspot für Berliner Sommerfrischler. Wer auf den Zug wartete, konnte zudem unten im Tal ein Bier trinken – für die Gäste gab’s extra eine zweite Restauration samt Stallungen als „Wartehalle“. Oben auf der Anhöhe promenierte man rund um den Springbrunnen, lauschte dem Orchester oder kegelte im Keller.
Im Laufe der Jahre wurde angebaut, umgebaut, erweitert – es gab ein eigenes Maschinenhaus für Strom, eine Badehalle, einen Eiskeller und sogar eine kleine Brauerei. Später landeten auf dem Gelände auch die Segelflieger von Waidmannslust, die sich mit Gummiseilen die Rollberge hinunterkatapultierten.
text
text
text
text
gallery
gallery
gallery
gallery
gallery
text
Dann wurde es ernst: Der Erste Weltkrieg beendete das Vergnügen. Statt Tanz und Konzert gab’s nun patriotische Kriegsabende.
Die 1930er Jahre brachten einen düsteren Abschnitt: Die NSDAP nutzte das Gebäude für Aufmärsche und Wehrausbildung, unter anderem durch die „Motor-SA“.
Kurzzeitig soll auch Reinhard Heydrich hier gewohnt haben – einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, auch genannt der „Schlächter von Prag“. 1942 leitete er die sogenannte Wannsee-Konferenz in Berlin, bei der die systematische Deportation und Ermordung der europäischen Juden koordiniert wurde. Seine Spur in Waidmannslust macht deutlich, wie sehr selbst lokale Orte in die nationalsozialistische Herrschaft verstrickt sein können – und wie viel es noch aufzuarbeiten gilt.
text
text
text
text
gallery
gallery
gallery
gallery
gallery
text
Nach 1945 diente das Bergschloss als Flüchtlingsunterkunft, dann als Mietshaus – bis es Stück für Stück verschwand. Erst der Saal, dann die Balkone, dann der Rest.
Was heute noch da ist: Wo einst die Kegelbahnen klackten, steht heute eine Kita. Das „Bergschloss“ wurde 1959 durch ein zweigeschossiges Haus ersetzt, das als Jugendheim, Schule und Sportstätte diente. Heute betreibt die Remmi-Demmi gGmbH dort eine Kindertagesstätte. Der Name klingt immerhin noch nach der unbeschwerten Party, die hier um 1900 sicher gefeiert wurde.
