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Bergschloss

Wo Berlin badete, tanzte, kegelte – und auch segelte

Bergschloss

Wo Berlin badete, tanzte, kegelte – und auch segelte

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Auffahrt zum einstigen Bergschloss, 2025. (Foto: JYT)
002 oben bergschloss ansichtskarte 1906
Bergschloss, Postkarte, 1906. (Foto: Museum Reinickendorf)

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Ausflugsrestaurant im Ritterburg-Stil

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Auf einer kleinen Anhöhe zwischen heutiger Jean-Jaurès-Straße und Nimrodstraße stand einst ein Gebäude, das so aussah, als hätte jemand eine Ritterburg nach Berlin verpflanzt: das „Kurhaus Bergschloss“. Mit Turm, Zinnen, dicken Mauern – aus gelbem Ziegelstein.

Gebaut wurde das Ganze ab 1886 vom Bauunternehmer Gustav Joachim. Der hatte einen Riecher für Trends: Berlin wuchs, die Städter wollten raus ins Grüne. Also ließ er ein Ausflugsrestaurant der Superlative bauen – mit Konzertsaal, Fontänen, Grotten, Lauben, Kegelbahnen und sogar elektrischer (!) Beleuchtung.

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Fun fact

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Während anderswo noch Petroleumlampen flackerten, hatte das Bergschloss schon seinen eigenen Strom – samt Akkumulatorenraum und Maschinenhaus. Klingt nach Tech-Startup? War einfach nur ein Ausflugslokal mit Early-Adopter-Vibes.

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Das „Bergschloss“ wurde schnell zum Hotspot für Berliner Sommerfrischler. Wer auf den Zug wartete, konnte zudem unten im Tal ein Bier trinken – für die Gäste gab’s extra eine zweite Restauration samt Stallungen als „Wartehalle“. Oben auf der Anhöhe promenierte man rund um den Springbrunnen, lauschte dem Orchester oder kegelte im Keller.

Im Laufe der Jahre wurde angebaut, umgebaut, erweitert – es gab ein eigenes Maschinenhaus für Strom, eine Badehalle, einen Eiskeller und sogar eine kleine Brauerei. Später landeten auf dem Gelände auch die Segelflieger von Waidmannslust, die sich mit Gummiseilen die Rollberge hinunterkatapultierten.

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Dann wurde es ernst: Der Erste Weltkrieg beendete das Vergnügen. Statt Tanz und Konzert gab’s nun patriotische Kriegsabende.


Die 1930er Jahre brachten einen düsteren Abschnitt: Die NSDAP nutzte das Gebäude für Aufmärsche und Wehrausbildung, unter anderem durch die „Motor-SA“.

Kurzzeitig soll auch Reinhard Heydrich hier gewohnt haben – einer der Hauptorganisatoren des Holocaust, auch genannt der „Schlächter von Prag“. 1942 leitete er die sogenannte Wannsee-Konferenz in Berlin, bei der die systematische Deportation und Ermordung der europäischen Juden koordiniert wurde. Seine Spur in Waidmannslust macht deutlich, wie sehr selbst lokale Orte in die nationalsozialistische Herrschaft verstrickt sein können – und wie viel es noch aufzuarbeiten gilt.

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Nach 1945 diente das Bergschloss als Flüchtlingsunterkunft, dann als Mietshaus – bis es Stück für Stück verschwand. Erst der Saal, dann die Balkone, dann der Rest.

Was heute noch da ist: 
Wo einst die Kegelbahnen klackten, steht heute eine Kita. Das „Bergschloss“ wurde 1959 durch ein zweigeschossiges Haus ersetzt, das als Jugendheim, Schule und Sportstätte diente.
 Heute betreibt die Remmi-Demmi gGmbH dort eine Kindertagesstätte. Der Name klingt immerhin noch nach der unbeschwerten Party, die hier um 1900 sicher gefeiert wurde.

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Mini quiz
Was konnte man anfangs im „Bergschloss“ unternehmen?
Baden und Bier brauen
1
Richtig. Aber nicht gleichzeitig.
Fechten und Fallschirmspringen
Klingt gut. Aber da hätte selbst das Bergschloss gestaunt. Ist leider falsch.
Töpfern und Trüffel suchen
Eine schöne Alliteration. Abr leider falsch.

Der nächste spannende Ort ist gleich um die Ecke

003 oben restwaidmannslust jyt 2025 330 Restaurant Waidmannslust
003 oben restwaidmannslust jyt 2025 330

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