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Restaurant Waidmannshof
Tanzende, Turnende, Strampelnde, Staunende – alles unter einem Dach
Tanzende, Turnende, Strampelnde, Staunende – alles unter einem Dach
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Das Restaurant Waidmannshof
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Ausflugslokale gab’s in Waidmannslust einige – aber keins mit so viel Showbühne wie der Waidmannshof. 1894 ließ der Berliner Gastwirt Otto Kuchenbecker ein echtes Prunkstück bauen: Zwei Etagen, ein großzügiger Festsaal, ein Eiskeller für’s kühle Blonde und – man glaubt’s kaum – ein eigenes Toilettenhäuschen („Abtrittsgebäude“, wie man damals sagte). Standards, klar.
Und Kuchenbecker ließ es nicht dabei: 1901 legte er nach – mit einer Veranda und einem Saalanbau. Wenn schon, denn schon. Seit diesem Ausbau trug das Lokal auch seinen klangvollen Namen: „Waidmannshof“.
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Der Laden brummte. Besonders bei einer Zielgruppe mit kräftigen Waden: Radfahrer. Der Deutsche Radfahrerbund setzte sein offizielles „Rastplatz“-Siegel drauf – quasi der Michelin-Stern für Drahtesel-Raststätten. Wer hier Pause machte, bekam kaltes Bier (dank Eiskeller!) und warme Speisen. Schatten, Schorle, Schnitzel – ein echter Radler-Hotspot, bevor das Wort überhaupt erfunden war.
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Vereinsgründung trifft Kinoabend
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Ins Rollen kamen hier übrigens nicht nur Radfahrer:innen, sondern auch Turner: 1906 gründeten drei sportbegeisterte Jungs mit ihrem Lehrer im Festsaal den Turnverein Waidmannslust (TVW). Ausgerechnet im Wirtshaus! Training an der Theke? Nein – aber eine Vereinsgründung mit Weitblick – denn den Verein gibt es bis heute.
Ab 1923 hieß es dann: Licht aus, Film ab. Aus dem Tanzsaal wurde ein Lichtspielhaus – ganz offiziell die „Lichtspiele Waidmannslust“, anfangs mit 333 Plätzen. Später bekam das Kino neue Namen, zwischendurch hieß es Capitol-Lichtspiele (ab 1935) und später Hubertus-Lichtspiele (ab 1938) – unter dem Namen kennen es noch viele alteingesessene Waidmannsluster. Hier liefen Stummfilme mit Orgel, ab 1931 dann Tonfilme. Ein echtes Highlight für Waidmannslust über Jahrzehnte – bis in die 1960er.
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Letzte Zeitzeugen stehen noch
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Doch irgendwann war Schluss. Der Filmrollenvorhang fiel, das Bauwerk verschwand, und nun steht hier ein Neubau – modern, ja, aber ohne Eiskeller, Zapfhahn und Filmprojektor.
Wer heute vorbeigeht, sieht kaum noch etwas von der Geschichte dieses Ortes – nur ein kleiner Teil der alten Saalmauern ist noch erhalten, aber kaum noch erkennbar. Wer aber kurz stehen bleibt, hört vielleicht noch das Echo: Orgelklänge im Saal, ein Radler, der absteigt, und ein Vorhang, der leise fällt.
