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Restaurant Waidmannshof

Tanzende, Turnende, Strampelnde, Staunende – alles unter einem Dach

Restaurant Waidmannshof

Tanzende, Turnende, Strampelnde, Staunende – alles unter einem Dach

Restaurant waidmannshof bzw. hubertus lichtspielhaus, waidmannsl
Nachbarhaus linksseitig vom einstigen Gelände des Restaurants Waidmannshof, 2025. (Foto: Werner Schlangen)
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Restaurant Waidmannshof, Inhaber Otto Kuchenbecker, 1909. (Foto: Archiv Klaus Schlickeiser)

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Das Restaurant Waidmannshof

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Ausflugslokale gab’s in Waidmannslust einige – aber keins mit so viel Showbühne wie der Waidmannshof. 1894 ließ der Berliner Gastwirt Otto Kuchenbecker ein echtes Prunkstück bauen: Zwei Etagen, ein großzügiger Festsaal, ein Eiskeller für’s kühle Blonde und – man glaubt’s kaum – ein eigenes Toilettenhäuschen („Abtrittsgebäude“, wie man damals sagte). Standards, klar.

Und Kuchenbecker ließ es nicht dabei: 1901 legte er nach – mit einer Veranda und einem Saalanbau. Wenn schon, denn schon. Seit diesem Ausbau trug das Lokal auch seinen klangvollen Namen: „Waidmannshof“.

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Fun fact

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Radfahrer:innen machten hier gern Pause – offiziell empfohlen vom Deutschen Radfahrerbund. Wer also 1900 in Waidmannslust durchschnaufte, hatte quasi geprüften Durst mit Qualitätssiegel.

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Der Laden brummte. Besonders bei einer Zielgruppe mit kräftigen Waden: Radfahrer. Der Deutsche Radfahrerbund setzte sein offizielles „Rastplatz“-Siegel drauf – quasi der Michelin-Stern für Drahtesel-Raststätten. Wer hier Pause machte, bekam kaltes Bier (dank Eiskeller!) und warme Speisen. Schatten, Schorle, Schnitzel – ein echter Radler-Hotspot, bevor das Wort überhaupt erfunden war.

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Vereinsgründung trifft Kinoabend

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Ins Rollen kamen hier übrigens nicht nur Radfahrer:innen, sondern auch Turner: 1906 gründeten drei sportbegeisterte Jungs mit ihrem Lehrer im Festsaal den Turnverein Waidmannslust (TVW). Ausgerechnet im Wirtshaus! Training an der Theke? Nein – aber eine Vereinsgründung mit Weitblick – denn den Verein gibt es bis heute.

Ab 1923 hieß es dann: Licht aus, Film ab. Aus dem Tanzsaal wurde ein Lichtspielhaus – ganz offiziell die „Lichtspiele Waidmannslust“, anfangs mit 333 Plätzen. Später bekam das Kino neue Namen, zwischendurch hieß es Capitol-Lichtspiele (ab 1935) und später Hubertus-Lichtspiele (ab 1938) – unter dem Namen kennen es noch viele alteingesessene Waidmannsluster. Hier liefen Stummfilme mit Orgel, ab 1931 dann Tonfilme. Ein echtes Highlight für Waidmannslust über Jahrzehnte – bis in die 1960er.

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Letzte Zeitzeugen stehen noch

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Doch irgendwann war Schluss. Der Filmrollenvorhang fiel, das Bauwerk verschwand, und nun steht hier ein Neubau – modern, ja, aber ohne Eiskeller, Zapfhahn und Filmprojektor.

Wer heute vorbeigeht, sieht kaum noch etwas von der Geschichte dieses Ortes – nur ein kleiner Teil der alten Saalmauern ist noch erhalten, aber kaum noch erkennbar. Wer aber kurz stehen bleibt, hört vielleicht noch das Echo: Orgelklänge im Saal, ein Radler, der absteigt, und ein Vorhang, der leise fällt.

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Mini quiz
Was war 1906 los im Waidmannshof?
Premierenfeier für den ersten Berliner "Tatort"
Klingt gut, passt aber nicht: 1906 gab es noch nicht einmal Fernsehen. Damals hieß Spannung im Waidmannshof: Stummfilm mit Orgelbegleitung.
Die Gründung des Turnvereins
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Richtig. Drei Jugendliche und ihr Lehrer sagten: Wir turnen jetzt. Und zwar mit Vereinsstruktur. Zack, war der TVW geboren.
Eine große Fahrraddemo gegen Kopfsteinpflaster
Nein. Eine Demo gab's damals nicht. Dennoch: Der Deutsche Radfahrer-Bund forderte glattere Wege in Eingaben und Zeitschriften wie der Allgemeinen Radfahrer-Zeitung.

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