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Restaurant Waidmannslust
Hier bekam Waidmannslust seinen Namen
Hier bekam Waidmannslust seinen Namen
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1875 – ein Förster wird zum Stadtteilgründer
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Am Anfang von Waidmannslust stand ein Mann, der nicht tat, was man ihm sagte.
Ernst Bondick, Förster im Dienst eines Hermsdorfer Gutsbesitzers, erhielt 1875 einen einfachen Auftrag: Ein kleines Stück Wald südlich des Hermsdorfer Fließes sollte gekauft werden – als Lagerplatz für Holz. Verkäufer waren die Erben eines Lübarser Bauern.
Doch Bondick hatte eigene Pläne. Er überging seinen Auftraggeber – und kaufte das gesamte Gelände für sich selbst. Vom Fließ im Norden bis zum Packereigraben im Süden: 64 Morgen für 12.288 Mark, also gerade mal 8 Pfennig pro Quadratmeter.
Die Kündigung folgte prompt. Doch Bondick hatte jetzt Boden unter den Füßen – und eine Vision: Die Stadt Berlin wuchs rasant, und irgendwann würden die Menschen auch hier wohnen wollen. Er setzte alles darauf, das Gebiet später in Parzellen zu verkaufen.
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Bondick baut das "Restaurant Waidmannslust"
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Doch erstmal wurde gebaut. Noch im selben Jahr ließ Bondick mitten im Wald ein Wohnhaus errichten, genehmigt am 30. Juni 1875. Im Erdgeschoss: Gastraum, Restaurationssaal, Küche, zwei Schlafzimmer. Im Dachgeschoss: Schlafräume. Gleichzeitig entstand ein kleiner Stall.
Und in genau diesem Haus eröffnete er eine Gastwirtschaft – „Waidmannslust“. Von diesem Ort, anfangs betrieben von Ludwig Köhn, übernahm später der ganze Stadtteil seinen Namen. Denn der war Programm: Jägerfreuden, Landluft, Waldidylle. Es wurde gegessen, getrunken, übernachtet. Bald kamen Jagdfreunde aus Berlin, die wochenlang blieben. Und Rehe, Füchse und Dachse jagten.
Auch Studenten entdeckten den abgeschiedenen Ort – für ihre „Paukereien“, also Duelle mit Schlägern und Degen. 1879 flog ein verbotenes Duell auf. Die Polizei konfiszierte die Waffen, es hagelte Disziplinarstrafen.
Doch Grundstücke verkaufen konnte er anfangs kaum – zu weit draußen, zu wenig Verkehr. Das änderte sich erst 1884 mit dem neuen Haltepunkt der Nordbahn (vgl. S-Bahnhof Waidmannslust). Jetzt kamen Berliner Ausflügler in Scharen. Bondick erweiterte: eine hölzerne Restaurationshalle, eine Kegelbahn, ein weiteres Gebäude.
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1885 ließ er sich ein neues Wohnhaus bauen (vgl. Wohnhaus Bondick) und zog sich aus dem Gastronomiebetrieb zurück. Das Grundstück samt Restaurant ging an den Gastwirt Emil Lehmann. Der ließ 1890/91 ein zweigeschossiges Wohnhaus errichten, in dessen Erdgeschoss eine sogenannte Kaffeeküche betrieben wurde – Gäste brachten ihr Kaffeepulver mit, heißes Wasser und Geschirr stellte das Haus. Dieses Gebäude – Waidmannsluster Damm 146 – steht noch heute.
Lehmann baute weiter: Saalbau, Eiskeller, Musikpavillon, Garten mit Karussells und Schießbuden. Später wurde das Lokal zum „Tanzpalast Fender“ – und 1921 sogar zum Kino: die „Nordbahn-Lichtspiele“.
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Ein Name, ein Wirtshaus, ein Stadtteil
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1923 war Schluss. Das Restaurant schloss, das Inventar wurde versteigert. Bondicks ursprüngliches Gasthaus verfiel – Fenster fehlten, Ziegel wurden herausgebrochen, die Nachbarschaft nutzte das Holz als Brennmaterial. 1924 erfolgte der Abriss.
Geblieben ist nur das Wohnhaus mit der ehemaligen Kaffeeküche von 1890. Später lebte hier der Künstler Volkmar Oellermann. Eine seiner Bronzen, „Der Hockende“, steht heute in der Humboldt-Bibliothek in Tegel.
Und der Ort drum herum? Trägt bis heute den Namen von Bondicks Wirtshaus: Waidmannslust.
