3

Restaurant Waidmannslust

Hier bekam Waidmannslust seinen Namen

Restaurant Waidmannslust

Hier bekam Waidmannslust seinen Namen

003 oben restwaidmannslust jyt 2025 330
Hier war einst das Restaurant Waidmannslust, 2025. (Foto: JYT)
003 oben restaurantwaidmannslust schild 1900 mr
Restaurant Waidmannslust, Emil Lehmann, 1900. (Foto: Museum Reinickendorf)

heading

heading

heading

heading

1875 – ein Förster wird zum Stadtteilgründer

heading

text

Am Anfang von Waidmannslust stand ein Mann, der nicht tat, was man ihm sagte.

Ernst Bondick, Förster im Dienst eines Hermsdorfer Gutsbesitzers, erhielt 1875 einen einfachen Auftrag: Ein kleines Stück Wald südlich des Hermsdorfer Fließes sollte gekauft werden – als Lagerplatz für Holz. Verkäufer waren die Erben eines Lübarser Bauern.

Doch Bondick hatte eigene Pläne. Er überging seinen Auftraggeber – und kaufte das gesamte Gelände für sich selbst. Vom Fließ im Norden bis zum Packereigraben im Süden: 64 Morgen für 12.288 Mark, also gerade mal 8 Pfennig pro Quadratmeter.

Die Kündigung folgte prompt. Doch Bondick hatte jetzt Boden unter den Füßen – und eine Vision: Die Stadt Berlin wuchs rasant, und irgendwann würden die Menschen auch hier wohnen wollen. Er setzte alles darauf, das Gebiet später in Parzellen zu verkaufen.

text

text

text

text

funfact

funfact

funfact

funfact

Fun fact

funfact

Erst war’s der Name der Gastwirtschaft – dann wurde daraus der Name eines Stadtteils. Heute würde man Bondick wohl als Branding-Genie feiern.

heading

heading

heading

heading

Bondick baut das "Restaurant Waidmannslust"

heading

text

Doch erstmal wurde gebaut. Noch im selben Jahr ließ Bondick mitten im Wald ein Wohnhaus errichten, genehmigt am 30. Juni 1875. Im Erdgeschoss: Gastraum, Restaurationssaal, Küche, zwei Schlafzimmer. Im Dachgeschoss: Schlafräume. Gleichzeitig entstand ein kleiner Stall.

Und in genau diesem Haus eröffnete er eine Gastwirtschaft – „Waidmannslust“. Von diesem Ort, anfangs betrieben von Ludwig Köhn, übernahm später der ganze Stadtteil seinen Namen. Denn der war Programm: Jägerfreuden, Landluft, Waldidylle. Es wurde gegessen, getrunken, übernachtet. Bald kamen Jagdfreunde aus Berlin, die wochenlang blieben. Und Rehe, Füchse und Dachse jagten.

Auch Studenten entdeckten den abgeschiedenen Ort – für ihre „Paukereien“, also Duelle mit Schlägern und Degen. 1879 flog ein verbotenes Duell auf. Die Polizei konfiszierte die Waffen, es hagelte Disziplinarstrafen.

Doch Grundstücke verkaufen konnte er anfangs kaum – zu weit draußen, zu wenig Verkehr. Das änderte sich erst 1884 mit dem neuen Haltepunkt der Nordbahn (vgl. S-Bahnhof Waidmannslust). Jetzt kamen Berliner Ausflügler in Scharen. Bondick erweiterte: eine hölzerne Restaurationshalle, eine Kegelbahn, ein weiteres Gebäude.

text

text

text

text

gallery

gallery

gallery

gallery

gallery

text

1885 ließ er sich ein neues Wohnhaus bauen (vgl. Wohnhaus Bondick) und zog sich aus dem Gastronomiebetrieb zurück. Das Grundstück samt Restaurant ging an den Gastwirt Emil Lehmann. Der ließ 1890/91 ein zweigeschossiges Wohnhaus errichten, in dessen Erdgeschoss eine sogenannte Kaffeeküche betrieben wurde – Gäste brachten ihr Kaffeepulver mit, heißes Wasser und Geschirr stellte das Haus. Dieses Gebäude – Waidmannsluster Damm 146 – steht noch heute.

Lehmann baute weiter: Saalbau, Eiskeller, Musikpavillon, Garten mit Karussells und Schießbuden. Später wurde das Lokal zum „Tanzpalast Fender“ – und 1921 sogar zum Kino: die „Nordbahn-Lichtspiele“.

text

text

text

text

image

image

Restaurant Waidmannslust, Ernst Fender, Postkarte, 1920. (Foto: Archiv Klaus Schlickeiser)

image

03 restaurantwaidmannslust fender 1920 sks
Restaurant Waidmannslust, Ernst Fender, Postkarte, 1920. (Foto: Archiv Klaus Schlickeiser)

image

image

heading

heading

heading

heading

Ein Name, ein Wirtshaus, ein Stadtteil

heading

text

1923 war Schluss. Das Restaurant schloss, das Inventar wurde versteigert. Bondicks ursprüngliches Gasthaus verfiel – Fenster fehlten, Ziegel wurden herausgebrochen, die Nachbarschaft nutzte das Holz als Brennmaterial. 1924 erfolgte der Abriss.

Geblieben ist nur das Wohnhaus mit der ehemaligen Kaffeeküche von 1890. Später lebte hier der Künstler Volkmar Oellermann. Eine seiner Bronzen, „Der Hockende“, steht heute in der Humboldt-Bibliothek in Tegel.

Und der Ort drum herum? Trägt bis heute den Namen von Bondicks Wirtshaus: Waidmannslust.

text

text

text

text

Mini quiz
Wer war Ernst Bondick – der Mann, der Waidmannslust begründete?
Ein preußischer General
Stillgestanden! Diese Antwort ist falsch!
Ein Berliner Kneipenbesitzer
Er war zwar Restaurantbesitzer, aber eine typisch Berliner Kneipe führte er nicht.
Ein Förster mit Geschäftssinn
1
Richtig. Bondick war ein pfiffiger Förster und kaufte 1875 anstatt für seinen Chef für sich selbst ein Waldstück, auf dem er das erste Haus und die erste Gastwirtschaft in Waidmannslust errichtete.

Der nächste spannende Ort ist gleich um die Ecke

004 oben wohnhausbondick jyt 2025 Wohnhaus Bondick
004 oben wohnhausbondick jyt 2025

Entdecke alle Orte