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Villa Schade
Liebe, Loggia, Leid – diese Villa hatte alles
Liebe, Loggia, Leid – diese Villa hatte alles
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Zuhause des Orgel-Stifters
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Ende des 19. Jahrhunderts ließ der Berliner Juwelier Friedrich Schade auf diesem großen Eckgrundstück ein zweigeschossiges Landhaus bauen – mit allem Drum und Dran.
1896 kam ein Wintergarten dazu, inklusive Loggia und Speisekammer – gebaut von Többicke & Christiani, weil’s ja auch stilvoll sein sollte. 1901 folgte hinten die Remise mit Kutscherwohnung. Klassisch vornehm.
Schade lebte hier als Rentier – also: wohlhabend im Ruhestand – und war lokal bekannt: Vorsitzender des Ortsvereins, Gemeindevertreter in Lübars und Orgelstifter für die Königin-Luise-Kirche. Ein Mann mit Hang zu Stil und Gemeinsinn.
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1905 schickte er seiner Verlobten ein Gedicht auf einer Ansichtskarte des Hauses – direkt aus dem eigenen Vorgarten.
„Denn Liebe, Friede, Glück im stillen Häuschen wohnen –
Möge dieses Dreigestirn doch ewig bei uns thronen!“
Klingt bezaubernd. Aber Achtung Spoiler: Das Dreigestirn thronte, auch wenn es noch so poetisch wäre, nicht ewig.
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Martyrium eines hiesigen Greises
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Nach dem Tod seiner Frau lebte der alte Schade allein im Haus – betreut von einer offenbar geistig kranken Haushälterin. Sie sperrte ihn ein, ließ ihn bis zur Unkenntlichkeit abmagern – wohl in der Hoffnung, an sein Vermögen zu kommen. Die Presse nannte es 1923 das „Martyrium eines hiesigen Greises“ – eine tragische Geschichte, mitten in Waidmannslust.
Tatsächlich hatte Schade das Haus bereits 1918 verkauft, wohnte aber weiter zur Miete dort. 1930 wird er noch im Adressbuch erwähnt – 1941 nicht mehr.
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Dornröschenschlaf und Neubau
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Was danach geschah, liegt im Dunkeln. Ob das Haus in Kriegs- oder Nachkriegsjahren genutzt wurde, von wem oder wofür, ist diesem Projekt nicht bekannt. Erst ab 1965 lässt sich wieder sicher sagen: Die Villa stand leer, der Garten verwilderte. Das Haus verfiel in einen Dornröschenschlaf – nur leider ohne Dornröschen, holden Prinzen und rettenden Kuss. Am Ende war nur noch eine Ruine übrig.
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2015 kaufte dann endlich ein Wohnungsbauunternehmen das Grundstück, 2017 wurden die alten Gebäude abgerissen. Zwei neue Wohnhäuser mit Tiefgarage entstanden.
Bis auf ein paar Rotbuchen ist von der Villa Schade nichts geblieben.
Statt trauriger Ruine ist hier nun ein neuer Waidmannsluster Ort entstanden.
